Am 12. August, raste der Neofaschist James Alex Fields jr. mit seinem Auto in eine Gruppe antifaschistischer Demonstranten in Charlottesville in der Nähe der US-Hauptstadt Washington D.C. Der faschistische Attentäter tötete die 32-jährige Heather Hayer und verletzte 19 andere Menschen teils lebensgefährlich. Fields wurde kurz darauf von der Polizei gefasst. Seine neofaschistische Gesinnung ist belegt, weil er am Samstagvormittag inmitten einer Demonstration der faschistischen Gruppe „Vanguard America Group“ fotografiert wurde. Diese benennt „Faschismus in Amerika“ als ihr Ziel und ihre Anhänger zogen mit dem Schlachtruf „Blood and soil“ („Blut und Boden“) durch die Straßen. Bereits am Freitagabend waren Neofaschisten zu Hunderten, teils bewaffnet, durch Charlottesville gezogen und auf Gegendemonstranten losgegangen. Seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten und danach wuchsen die antirassistischen, antifaschistischen und antisexistischen Proteste in den USA massiv an. Alleine am Tage seiner Amtseinführung waren über 4,7 Million Menschen in den USA gegen den ultrareaktionären und faschistoiden US-Präsidenten auf den Straßen.

Seit 2015 gehen viele US-Kommunen verstärkt gegen reaktionäre Denkmäler vor. In der 50.000-Einwohner-Stadt Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia will die Stadtverwaltung ein Denkmal des Südstaatengenerals Robert E. Lee entfernen zu lassen. Gegen diesen überfälligen Schritt protestieren die Faschisten. Lee war Oberbefehlshaber der Armeen der Südstaaten im US-amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865.

Diese „Konföderierten Staaten von Amerika“ sagten sich vom Rest der USA los und wollten die Sklaverei beibehalten, die in den anderen US-Bundesstaaten bereits stark eingeschränkt oder verboten war. Aus diesem Grund sind die Südstaatensymbole, ihre Flaggen und Denkmäler bis heute Symbole für Ultrareaktionäre und Faschisten in den USA.

Verkappte und offene Faschisten trommelten landesweit, um aus Charlottesville ein Fanal zu machen, das „den Kampf um die Straßen“ einleiten sollte. Die mehrtägigen Aufmärsche wurden unter dem Motto "Unite the Right" organisiert, um die unterschiedlichsten faschistischen, faschistoiden und rassistischen Gruppierungen zusammenzuführen.

Neben Nazi-Organisationen nahmen an den Umzügen auch bewaffnete Milizionäre aus der großen amerikanischen Waffennarrenszene oder Anhänger des Ku-Klux-Klan (KKK) teil. Diese Gruppierungen haben sich inzwischen mit einer neuen Generation von Faschisten verbündet.

Diese tarnt sich mit dem Begriff der „Alt-Right-Bewegung“ (kurz für "Alternative right, "Alternative Rechte"), ihre Ideologie und Politik sind aber genauso faschistisch. In Charlottesville sollte die Kooperation zwischen den "alten" Neonazis und dem berüchtigten KKK-Lynchmob einerseits sowie der neuen Generation der Alt-Right-Faschisten andererseits erprobt werden.

US-Präsident Donald Trump blieb zuerst lange stumm, als die Vorfälle von Charlottesville schon lange auf allen Kanälen waren. Der Gouverneur von Virginia, Terry Mc Auliffe, hatte ihn sofort nach den bewaffneten Ausschreitungen der faschistischen Demonstranten von der Verhängung des Ausnahmezustands in der Region Charlottesville informiert.

Erst am Samstagnachmittag meldete sich Donald Trump zu Wort. Er vermied in seinem Statement jedes klare Wort gegen die Faschisten und Rassisten, sondern setzte Neonazis und Antifaschisten gleich. Er sprach nur allgemein vom "unerhörten Ausbruch von Hass, Fanatismus und Gewalt auf vielen Seiten". Das ist kein "Ausrutscher", sondern Ausdruck seiner engen Zusammenarbeit mit faschistischen und faschistoiden Kräften.

Seine Erklärung rief landesweit und international Empörung hervor. Allerdings von manchem bürgerlichen Politiker auch geheuchelt, da die Gleichsetzung von faschistischen Übergriffen und antifaschistischen Protesten auch in Deutschland durchaus immer wieder zu hören ist.

Die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung unterhöhlt das System der kleinbürgerlichen Denkweise und hat in den USA zu dessen Scheitern als Regierungsmethode geführt. Die beschleunigte Destabilisierung des imperialistischen Weltsystems und der wirtschaftliche Rückfall der USA im internationalen Konkurrenzkampf machten veränderte Regierungsmethoden notwendig.

Als Betrugsmethode setzt Trump auf ultrareaktionäre bis sozialfaschistische Demagogie, auf die Unterminierung bürgerlich-demokratischer Gepflogenheiten und die Verbreitung einer offen rassistischen, sexistischen und faschistischen Weltanschauung. Dafür holte sich Donald Trump auch faschistoide bis offen faschistische Berater wie Steve Bannon (bis 2016 Chef des ultrareaktionären „Breitbart News), Stephen Miller und Sebastian Gorka ins Weiße Haus.

Offene Faschisten gehören zur Massenbasis von Trump und sind seine entschiedenste Anhängerschaft. Allerdings gelingt es der US-Regierung bis heute nicht, eine ausreichende Massenbasis für die offen reaktionäre Politik aufzubauen und sie muss auf die wachsende antifaschistische und antirassistische Stimmung unter den Massen Rücksicht nehmen.

Vielmehr geraten die Ultrareaktionäre und Faschisten angesichts der sprunghaft angewachsenen demokratischen Volksbewegung und der internationalen Empörung immer stärker in die Defensive. Auch unmittelbar nach dem faschistischen Anschlag gab es Protestaktionen in den USA und Europa.

Letztlich kann nur eine breite Einheitsfront dieser faschistoiden Regierung Einhalt gebieten. Dafür müssen auch die revolutionären Kräfte in den USA gefördert und gestärkt werden. Sie suchen zunehmend den Kontakt und die Zusammenarbeit mit der revolutionären Weltorganisation ICOR.

 

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